EPILOG

Wenn man ein neues Leben zugeteilt bekommt, funktioniert das im Grunde wie in einer Kinoschlange. Du stehst an, alle drängeln sich langsam vor, und weil Du noch keine Karte hast und den Film noch nicht kennst, hast Du keine Ahnung was Dich erwartet. Wenn Du endlich an der Reihe bist, gibt es eine Art Sneak Preview des bevorstehenden Lebens, ein dramatisch gut geschnittener Trailer von gefühlten 2:40 Minuten der Deine Neugier stillt und Deine Seele auf ihr wartendes Schicksal vorbereitet.
Damit wir uns richtig verstehen:

Wenn Du die Bilder siehst, hast Du schon keine Wahl mehr. Das Ganze ist ein illusorischer Tricks des himmlischen Meisters um Dir das Gefühl zu geben eine Aufgabe, ein Mission zu erhalten und die Bilder, die gezeigt werden (hübsch untermalt mit Musik, hollywoodreifen Cuts und DER STIMME) bieten immer einen bunten Strauß an Offenbarungen, an deren Ende man dann (noch ganz durchflutet von dieser Vorschau auf sein künftiges Leben) mit einem gewaltigen Cut in sein neues Leben geschossen wird. Wie in einem Wurmloch. –

 

Das ist jetzt wirklich komischer als Sie jetzt denken, aber ich nehme die Pointe vorweg, so gut gefällt mir das.

 

Wurmloch, haha.

 

Um nämlich die Bilder zu verarbeiten, sich vorzubereiten auf Ihre neue Rolle in diesem Schauspiel haben Sie ganze neun Monate Zeit. Neun Monate die Sie übrigens gefangen verbringen werden; umgeben von waberigen Geblubber, gedämpftem Geschaukel, nur hier und da ein weiches, rötliches Licht während Ihre Zelle im Laufe der Zeit immer enger wird.

 

Am Anfang können Sie sich überhaupt nicht bewegen, Sie schweben ganz göttlich wie ein schwereloser Astronaut im Weltraum – nur dass Sie niemanden grüßen können und Sie durch einen hässlichen Schlauch ernährt werden. Trotzdem müssen Sie übrigens ständig pinkeln und Schluckauf bekommen Sie auch. Und je mehr Zeit Sie in dieser immer enger werdenden Blase verbringen, desto stumpfsinninger werden Sie.

Ihre Gedanken werden dröge, die mangelnde Artikulation macht Ihnen zu schaffen und wenn Sie am Ende dieser 40 Wochen endlich, endlich da raus dürfen sind Sie so beschränkt und matschig in der Birne, dass Sie allenfalls noch einen befreienden wie wütenden Schrei loswerden.

Naja, kein Wunder wenn plötzlich alles so hell und laut ist.
Aber kommen wir zurück in die Kinoschlange, kurz bevor Ihr wabbeliges Mysterium beginnt. Ich persönlich verbringe viel Zeit in dieser in dieser Kinoschlange. Oder besser: In diesem Kinokomplex. Diesem 3D-Multiplex-Vorschau-Guck-Wurmloch-Kinosaal und seine Vorräume. Ich beobachte die Menschen zu gern in ihrer Antizipation auf den Vorspann ihres Lebens.

 

Ich bin Kartenabreißer, Platzanweiser, Filmvorführer und auch Produzent dieser kleinen Filmchen in Personalunion.

Mein Name ist Petrus. Und mir stinkt’s!